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Für eine Kinderkrippe: Gemeinde Neuenkirchen-Vörden will Villa Elisabeth kaufen

Von Hans Schmutte | 13.12.2024, 09:00 Uhr
 
Einen Altbau kaufen und sanieren oder neu bauen? Die Gemeinde Neuenkirchen-Vörden braucht mehr Krippenplätze. Der Gemeinderat war sich nicht einig über den Weg dorthin. Er stimmte aber mehrheitlich für den Kauf einer Altbau-Immobilie.

Das der Bedarf an zusätzlichen Krippenplätzen im Gemeindeteil Neuenkirchen vorhanden ist, war auf der letzten Gemeinderatssitzung unstrittig. Der Weg dorthin aber schon. CDU- und SPD-Fraktion votierten für den Kauf einer noch zu sanierenden Altbauimmobilie, IGNV plädierte für einen Neubau.

1926 ließ Heinrich Thamann die Bahnhofsvilla in der Bahnhofstraße erbauen. Nach Leerstand und anderweitiger Nutzung war die schmucke Villa in den 1970er Jahren recht verkommen, bevor sie von Schulleiter Eckehard Maas erworben und kernsaniert wurde. Er bewohnte das Haus mit seiner Frau Elisabeth, daher auch die Namensgebung „Villa Elisabeth“.

Nachdem Eckhard Maas 2018 verstorben war, wurde das Haus an Rainer Oesting und Heinz Bosche verkauft. Es sollte eine Seniorenwohngemeinschaft in dem Haus entstehen. Die Pläne zerschlugen sich. Jetzt möchte die Gemeinde das Haus erwerben. Wenn alles nach Plan verläuft, wird 2026, also 100 Jahre nach der Erbauung, wieder Leben in die alte Villa in Form von zwei Krippengruppen einziehen.

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So lautet der Vorschlag der Verwaltung

Verschiedene Miet- und Kaufvarianten hatte die Verwaltung kalkuliert und nach eingehender Diskussion in den Ausschüssen folgenden Vorschlag gemacht:

Das Gebäude wird für gerundet 1,17 Mio. Euro gekauft. In dem Kaufpreis ist eine Sanierung und der Umbau für 652 000 Euro (inklusive Dacherneuerung) enthalten. Der Umbau erfolgt durch den Eigentümer und auf sein Risiko zum Festpreis. Daher ist in der Summe ein Risikoaufschlag enthalten.

Zusätzlich sind etwa 100.000 Euro für die Inneneinrichtung und 60.000 Euro für die Außenanlagen einzuplanen. Die laufenden Kosten für den Betrieb der Krippe werden sich nach Angaben der Verwaltung auf etwa 300.000 Euro jährlich belaufen.

Karlheinz Rohe (CDU) zeigte sich überzeugt, damit kostengünstig, schnell und mit überschaubarem Risiko dringend benötigte Krippenplätze erhalten zu können. Auch der zukünftige Träger der Krippe, Charly‘s Kinderparadies, halte die Villa für gut geeignet. Günther Plohr (SPD) sieht einen klaren Kostenvorteil beim Erwerb der Immobilie. Da das Sanierungsrisiko bei dem Verkäufer liege, sei mit keinen negativen Überraschungen zu rechnen.

„Ein finanzielles Desaster“

Sven gr. Sextro und Josef Schönfeld (beide IGNV) beurteilten den Sachverhalt völlig anders. Zunächst warfen sie Rat und Verwaltung Versäumnisse vor. Der Bedarf an Krippenplätzen sei seit Jahren bekannt gewesen, ohne dass erforderlich Maßnahmen eingeleitet worden wären. Jetzt stehe man unter Zeitdruck. Beide votierten für einen Neubau auf der grünen Wiese. Bei einem Altbau bestünde ständig Sanierungsbedarf, etwa an der alten Heizung. Ein „finanzielles Desaster“ sieht Schönfeld mit dem Kauf Villa auf die Gemeinde zukommen.